
Retour À Gorée

Die kleine Insel Gorée vor Dakar, auf der die schwarzen Sklaven vor ihrer Einschiffung nach Amerika gesammelt wurden, ist heute ein symbolischer Ort für den Menschenhandel. Ebendort hat der senegalische Sänger Youssou N'Dour ein Konzert organisiert mit einer Reihe von afroamerikanischen Musikern aus den Sparten Blues, Jazz und Gospel. Zusammen mit dem Genfer Pianisten und Arrangeur Moncef Genoud brach er auf, um sie zu treffen und nach Afrika zu führen Der Film dokumentiert, wie Youssou N'Dour dem afroamerikanischen Esprit nachspürt und die Musiker nach Senegal - seinem Heimatland - führt, nicht um Mitleid zu erheischen, sondern um dem spirituellen und musikalischen Reichtum des afrikanischen Kontinents Tribut zu zollen. Nach Konzerten in Dakar lud er die Musiker zu einer Tournee ein, die sie über New Orleans, Atlanta und New York bis nach Luxemburg führte, wobei seine Lieder in ein Jazzgewand gekleidet wurden. Gemeinsam - ohne viel Worte, dafür mit umso mehr Musik - erforschen sie dabei die Ursprünge dieser aus Afrika stammenden Rhythmen.
Der Regisseur Pierre-Yves Borgeaud, 1963 in Monthey geboren, drehte bereits während seiner Ausbildung Filme auf Super-8. Seinen ersten Kurzfilm Encore une histoire d'amour (1990) schrieb, drehte und produzierte er selbst. Seit 1986 arbeitete er als freier Journalist für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Radiostationen - eine Tätigkeit, die er zehn Jahre später aufgab, um sich ausschliesslich der Videoproduktion zu widmen. Als Musiker arbeitete er mit dem deutschen Label ECM zusammen, für das er mehrere Videoclips und Dokus realisierte. 1997 gründete er die Momentum Production, um seine eigenen Projekte zu produzieren. 2003 zeigte er in Locarno Ixième, Journal d'un prisonnier, den er mit dem Musiker und Komponisten Stephane Blok koproduziert hatte und für den er den Goldenen Leoparden im Videobereich erhielt. 2007 war er in Locarno Mitglied der Videojury.
Der Hauptdarsteller
Youssou N'Dour

BIOGRAFIE
Nicht jeder kann sich mit dem Titel "Afrikanischer Künstler des Jahrhunderts" brüsten, den das mainstreamkritische englische Weltmusik-Fachblatt 'Folk Roots' 2002 an Youssou N'Dour verlieh. Internationale Berühmtheit erlangt er vor allem durch sein Duett "Seven Seconds" mit Neneh Cherry, das 1994 in der ersten Welt grosse Aufmerksamkeit erregte. Youssou N'Dour kommt 1959 im senegalesischen Dakar zur Welt. Seine Liebe zum Gesang führt ihn bereits mit zwölf Jahren auf die heimischen Bühnen. In der 'Star Band', einer äußerst erfolgreichen und bekannten senegalesischen Truppe, sammelt er seine ersten Bühnenerfahrungen und Erfolge. Acht Jahre gönnt er sich mit den afrikanischen Superstars, bevor er 1979 mit "The Etoile De Dakar" seine erste eigene Formation zusammenstellt. Zwei Jahre Zeit benötigen sie, um sich an die Spitze der afrikanischen Bandszene zu spielen. Mit ihrer Mischung aus traditionellen Mbalax (sprich "Malach")-Rhythmen und westlichen Popanleihen gelingt ihnen 1981 der Durchbruch im schwarzen Kontinent. Inzwischen nennen sie sich "The Super Etoile" und singen in drei Sprachen: englisch, französisch und Wolof, der Sprache der 'Eingeborenen'. So viel künstlerische Eigenständigkeit und Kreativität lassen auch den Weltmusik-Botschafter Peter Gabriel aufmerksam werden. Für sein Album "So" (1986) engagiert er Youssou N'Dour, führt ihn in die amerikanische und englische Musikszene ein und nimmt ihn - mitsamt Band - mit auf seine Welttournee. Damit erreicht Youssou N'Dour ein internationales Publikum, das ihm im aufkommenden Globalisierungszeitalter gebührend Aufmerksamkeit zollt.

1988 bilden seine Auftritte bei der von Amnesty International organisierten "Human Rights Now"-Tour die Höhepunkte der Veranstaltung. Damit stiehlt er
renommierten Künstlern wie Peter Gabriel, Bruce Springsteen und Tracy Chapman vorerst die Show. 1989 erscheint das erste internationale Album "The Lion". 1992 erreicht seine dritte Einspielung "Eyes Open" eine Grammy-Nominierung, während Youssou N'Dour in Verbindung mit dem Jahr des Kindes zum offiziellen UNICEF-Botschafter erkoren wird. 1994 landet er mit "Seven Seconds" einen absoluten "Megaseller". Die Single rotiert pausenlos auf den Plattentellern der DJs und macht ihn zum definitiven afrikanischen Kulturexport. Dieser Erfolg liess sich jedoch bislang nicht wiederholen. Trotz aufwändiger Werbekampagnen und auf den Massengeschmack der ersten Welt getrimmter Songs kommen seine folgenden Alben bei den europäischen und amerikanischern Hörern nicht mehr so richtig an. Nach der letzten Major-CD "Joko" produziert Youssou N'Dour seine Platten seit 2002 wieder für kleine, unabhängige Label, was seiner Musik mehr als gut tut. Zu sehr wurde er von den Major-Machern auf Verkaufsträchtigkeit getrimmt, zu Lasten seiner Originalität, die sich seit "Ba Tay" wieder frei entfalten kann.
Return to Gorée
Réalisation: Pierre-Yves Borgeaud
Scenario: Emmanuel Gétaz, Pierre-Yves Borgeaud d'apres une idee de Youssou N'Dour et Emmanuel Gétaz
Image: Camille Cottagnoud
Montage: Daniel Gibel
Son: Carlo Thoss
Interpretation:
Youssou N'Dour, Boubacar Joseph Ndiaye, Ernie Hammas, Pyeng Threadgill, Harmony Harmoneers, Moncef Genoud, p, Grégoire Maret, harm., Idris Muhammad, dr, James Cammack, b, Wolfgang Muthspiel, g, Amiri Baraka (Leroi Jones),
Production:
Cab Productions
Av. du Grey 123
1018 Lausanne
Coproduction:
Iris Productions, Luxembourg - Dreampixies, Switzerland
2006 - 35 mm - Couleurs -108'
Vers. orig. francaise/anglaise / s-t. angl., fr., allm.
www.retouragoree.com
Verleih FILMCOOPI Zürich
Youssou N'Dour stellte neues Album vor
Am 20. September stellte Youssou N'Dour sein neues Album „Rokku Mi Rokka (Give And Take)“ (Nonesuch) in einer exklusiven Pressekonferenz während der popkomm vor. Das Album erscheint am 26. Oktober und ist das erste Studioalbum nach seinem Grammyerfolg „Egypt“. Mit der Singleauskopplung „Wake Up (It’s Africa Calling)” setzt N'Dour nun seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Neneh Cherry fort. Und wenn die beiden „Afrika ruft, wacht auf!“ singen, zeichnen sie ein bewusst positives Afrika-Bild - Afrika habe eine Botschaft für den Rest der Welt, sagt N'Dour: „Dieser Kontinent besteht nicht nur aus Krieg, Armut und AIDS. Wir versuchen voranzukommen und uns zu entwickeln. Der Rest der Welt gibt Afrika etwas, wir geben etwas zurück.“ (jazzthing 7.9.2007)